Danke Stelu ... ein großartiger Trainer verlässt die Volleyballbühne...
..ein Interview dass nachdenklich macht....
Letzte Trainerstation? Stelian Moculescu hört in Friedrichshafen auf. FotO: imago
© OVB

Stelian
Moculescu hat den Glauben daran verloren, dass Volleyball in
Deutschland eine Top-Sportart werden könnte. Friedrichshafen – Als
Stelian Moculescu 1997 nach Friedrichshafen aufbrach, um sich des
lokalen Volleyballprojekts anzunehmen, war die Stadt am Bodensee ein
sportlicher Zwerg.
Heute residiert
dort der erfolgreichste Klub der deutschen Volleyballgeschichte;
Rekordmeister und ehemaliger Champions-League-Sieger. Ein
Vierteljahrhundert hatte Moculescu zuvor in München verbracht. Auch dort
etablierte er den Erfolg, sein größtes Erbe hinterließ er aber am
Bodensee. Doch nun mag Moculescu, 65, nicht mehr. Im Sommer verlässt er
den VfB. Warum, das möchte er nicht erzählen. Eine weitere Meisterschaft
will Moculescu sich aber noch holen. Es wäre seine 20. in der
Bundesliga. Auf dieser Mission räumte Friedrichshafen zuletzt die
Playoff-Neulinge aus Herrsching aus dem Weg. Am Rande der Serie nahm
Moculescu sich Zeit, um zu reden. Über seine Zukunft, sein Vergangenheit
– und seinen fehlenden Glauben an den deutschen Volleyball.
-Im
Oktober sagten Sie, es sei der Spaß, der Sie als Trainer noch immer
antreibe. Vor gut zwei Wochen haben Sie Ihren Rücktritt beim VfB
Friedrichshafen angekündigt. Haben Sie den Spaß verloren?
Nein,
den Spaß habe ich nicht verloren. Aber ich habe für mich entschieden,
dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um aufzuhören.
-Sind Sie nur in Friedrichshafen zurückgetreten – oder vom Volleyball an sich?
Ich
habe effektiv in Friedrichshafen aufgehört. Ich habe aber nicht
aufgehört, über Volleyball zu denken. Ich mache jetzt Pause, aber das
heißt nicht, dass ich ganz weg bin. Schauen wir mal, was sich ergibt.
-Ihre
vorläufige Abschiedstournee hat Sie nochmal fast nach München geführt.
Die Stadt, die Sie während der Olympischen Spiele 1972 für Ihre Flucht
nach Westdeutschland genutzt haben. Das passt doch ganz gut.
Wir
waren ja in Herrsching, nicht in München. Das ist ein großer
Unterschied. Aber ich liebe Oberbayern. München war meine zweite Heimat.
Ich habe dort 25 Jahre meines Lebens verbracht – und mich sehr wohl
gefühlt.
-In dieser Zeit haben Sie
den Volleyball angekurbelt. Sie haben 1860 München, Milbertshofen und
Dachau zu Spitzenmannschaften gemacht. Worauf sind Sie am meisten stolz?
Ich
bin immer stolz gewesen, dass ich junge Leute für Volleyball begeistern
und ihnen Volleyball beibringen konnte. Dass ich ihnen ermöglichen
konnte, Erfolg und Spaß zu haben. Das war mein größtes Vorhaben. Ich
wollte immer Leute ausbilden.
-Woran denken Sie am liebsten zurück, wenn Sie München besuchen?
Wir
hatten schöne Zeiten. Aus jeder Zeit, aus jeder Generation bleibt etwas
übrig. Der erste Titel mit 1860, mit einer sehr jungen Mannschaft
damals. Der erste Pokal mit Sechzig in Sonthofen. Oder dann der erste
Pokal mit Milbertshofen, als wir gegen Leverkusen mit zwei Sätzen und
9:14 hinten waren und doch noch gewonnen haben. Das Final Four der
Champions League mit Dachau. Es gibt mit jeder Mannschaft schöne
Erinnerungen.
-Um Volleyball nachhaltig zu etablieren, haben Sie mit dem FC Bayern verhandelt.
Das
war noch zu Zeiten vom „Champagner-Willi“ (Spitzname des damaligen
Bayern-Präsidenten Willi Hoffmann, d. Red.). Wir sind damals zusammen im
Flugzeug gesessen. Die Bayern sind Meister geworden in Köln, wir sind
Meister geworden in Bonn. Da hatten wir das angesprochen, nur leider ist
das nicht zum Tragen gekommen. Das wäre die beste Geschichte gewesen
für Volleyball. Bayern ist der einzige Verein, der diesen Sport in
München wieder salonfähig machen kann.
-Warum ist Volleyball in München überhaupt in der Versenkung verschwunden?
Wir
hatten in München ein großes Problem: Es hat eine Halle gefehlt, die
4000 Zuschauer fasst und die man immer voll kriegt. Es waren auch nie
die passenden Leute für Volleyball da, die einen Verein führen können.
Ich musste immer alles machen. Ich war Trainer, Pressesprecher,
Mittelbeschaffer. Was den Leuten in meinen Augen fehlt, ist die
Leidenschaft, etwas anzugehen. Das ist heute nicht anders. Vielleicht
sogar noch stärker.
-Sie sagten mir vor einem Jahr: „Volleyball könnte in Deutschland eine Top-Sportart sein.“ Glauben Sie noch daran?
Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht mehr daran.
-Warum nicht?
Die
Entwicklung geht genau in die andere Richtung. Es hat immer noch keine
Fernsehpräsenz. Schauen Sie sich die ganzen Sportportale an, da findet
Volleyball nicht statt. Im Teletext findest du uns auf der Seite 641.
Wir haben die Champions League gewonnen, das war nicht mal eine Meldung
im ZDF-Sportstudio. Wir vermarkten uns schlecht, aber da sind wir ja
schon wieder bei den Personen. Uns fehlen auch einfach die Spieler. Um
einen Top-Spieler aufzubauen, brauchst du vier, fünf Jahre. Im Fußball
geht das vielleicht schneller. Aber da haben die Spieler in der Jugend
auch eine professionelle Ausbildung. Das ist im Volleyball nicht so.
Wenn ich mir anschaue, wie die trainieren, da wird mir schlecht. Das hat
mit Volleyball nichts zu tun. Wenn ich die Infrastruktur bei den
meisten Volleyballvereinen sehe, dann habe ich wenig Hoffnung.
-Was haben Sie mit Ihren Mannschaften anders gemacht?
Ich
wusste immer, wie man Erfolg hat. Alle Mannschaften, die ich trainiert
habe, haben davor nichts gewonnen und danach nichts gewonnen. Außer
1860, die haben einen Titel vor mir geholt. Mein Ziel war es, den
Volleyball in Deutschland nach vorne zu bringen, das ist mir auch ganz
gut gelungen, denke ich. Wir haben uns mit mir für die Olympischen
Spiele 2008 qualifiziert. Wir haben 1999 aber auch schon die Universiade
gewonnen. Das wissen die meisten gar nicht. Die Universiade ist ja
nicht so eine kleine Sportveranstaltung. Heute nimmt Deutschland da gar
nicht mehr teil.
-Werfen Sie sich rückblickend etwas vor, was Sie in Ihrer Mission um den deutschen Volleyball versäumt haben?
Ich
werf’ mir nichts vor. Vielleicht habe ich es nicht geschafft, genügend
Leute hinter mich zu bringen. Ich bin nicht Jedermanns Freund. Aber da
mach’ ich mir keine Gedanken drüber. Ich weiß, was ich richtig gemacht
habe. Wenn man viel tut, macht man auch Fehler. Die habe ich
zweifelsohne irgendwo gemacht. Aber: Wer nichts tut, der macht auch
keine Fehler. Und davon haben wir genügend.
-Kann der deutsche Volleyball auf Stelian Moculescu verzichten?
Ja, selbstverständlich. Liebend gerne. (lacht). Ich stör ab jetzt nicht mehr.
-Kann Stelian Moculescu auf Volleyball verzichten?
Ja, kann er auch. Ich kann auf alles verzichten – bis auf meine Frau, meine Kinder und meine Enkelkinder.
Das Gespräch führte
Christopher Meltzer
Quelle: http://www.ovb-online.de
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